Streit um Vertragsverlängerung mit dem Weimarer Generalintendanten Stephan Märki

Die Kulturinitiative Thüringen setzt sich für eine Verlängerung des Vertrages von Stephan Märki als Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters und Staatskapelle Weimar ein. Dazu hat die KIT am 20.1.2009 einen offenen Brief an den Weimarer Oberbürgermeister, der zugleich Vizevorsitzender des Aufsichtsrats der DNT-GmbH ist, geschrieben. Den Brief dokumentieren wir hier:

Offener Brief zu den Vertragsverhandlungen mit dem Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters und Staatskapelle Weimar GmbH - Staatstheater Thüringen

Weimar, 20.1.2009
Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister,

Sie haben sich in letzter Zeit öffentlich dafür stark gemacht, dass im Rahmen der Vertragsverhandlungen mit Stephan Märki auch die wirtschaftliche Existenz des Theaters geregelt werden muss. Dieser Ansatz verdient Respekt. Auch wir sehen für die Thüringer Theater und Orchester nach dem bisherigen Kenntnisstand eine ungewisse Zukunft ab dem Jahr 2012. Daher unterstützen wir jede Bemühung, schon jetzt die Frage der künftigen Kulturfinanzierung anzugehen und zu regeln.

Das Deutsche Nationaltheater und Staatskapelle Weimar braucht in den nächsten Jahren einen starken Intendanten, der den Bestand des Hauses und dessen Vitalität über das Jahr 2012 hinaus sichern hilft. Das ist für uns ganz klar Stephan Märki, der schon in den vergangenen Jahren im Ringen um den Fortbestand des Hauses stets ein Verbündeter der Stadt Weimar war.

Der Aufsichtsrat des Deutschen Nationaltheaters hat daher im Oktober 2008 auch mit Ihrer Stimme zu Recht beschlossen, Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Stephan Märki aufzunehmen. Solche Vertragsverhandlungen werden mit dem Ziel geführt, zu einem Vertragsabschluss zu kommen. Wir finden es deshalb empörend, dass vier von der Stadt Weimar benannte Aufsichtsräte, darunter zwei städtische Beigeordnete, angekündigt haben, „auf keinen Fall“ für die angestrebte Vertragsverlängerung stimmen zu wollen.

Die Weigerung dieser vier Aufsichtsräte, allesamt mit CDU-Parteibuch, zumindest das Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten, zeigt uns, dass diese vier Mandatsträger nicht das Wohl des Theaters und seiner Gesellschafter im Blick haben, sondern den Ambitionen eines CDU-Kreisvorsitzenden folgen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Sie kennen die Zahlen aus den Bilanzen des DNT. Sie können daher auch einschätzen, dass das Weimarer Theater sich im Vergleich mit anderen Häusern in dieser Größe alles andere als verstecken muss und sich seit Jahren künstlerisch und wirtschaftlich positiv entwickelt.

Die Deutsche Nationaltheater und Staatskapelle Weimar GmbH braucht nach den langen Monaten der Ungewissheit nun endlich eine Entscheidung. Zu viel Zeit wurde schon vertan. Wir bitten Sie dringend, geben Sie Stephan Märki Ihr Votum, um das DNT für die anstehenden Verhandlungen zur weiteren finanziellen Sicherung über das Jahr 2012 hinaus in eine starke Position zu bringen. Auch mit der an den Intendantenvertrag gebundenen Besetzung künstlerischer Leitungspositionen muss unverzüglich begonnen werden, um den künstlerischen Betrieb jetzt zu stärken und zu entwickeln. Eine langwierige Neubesetzungsdiskussion würde das Haus in dieser wichtigen Phase erheblich schwächen, womöglich dauerhaft.

Wir sind uns sicher, dass die Nachricht zum Vertragsabschluss mit Stephan Märki am 27. Januar 2009 auch bundesweit positiv wahrgenommen wird, als ein Zeichen für die weltläufige Aufgeschlossenheit der hiesigen Stadtpolitik.

In diesem Sinne verbleibt

mit freundlichen Grüßen
gez.
André Störr
für die Kulturinitiative Thüringen

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