Archiv des Monats April, 2008

TLZ vom 25. April 2008 Theaterfamilie will Stiftungssitz

Kultusministerium Thüringen und Stadtverwaltung lehnten das Ansinnen vorerst ab
Von Rita Specht
Eisenach. (ep) Wäre das Grab des Theaterhaus-Stifters Julius von Eichel-Streiber nicht 1984 durch die Stadt abgeräumt worden, könnte man heute hingehen und nachschauen, ob sich der Eisenacher Ehrenbürger womöglich in selbigem ’umgedreht hat. Grund für die Bewegung dürfte der Umgang mit seinem Erbe sein, vermutet Christine von Eichel-Streiber.

Der Familienverband derer von Eichel-Streiber bat beim Land Thüringen um Sitz und Stimme in der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach und bestimmte die in Bonn lebende Eisenacher Theaterfreundin Christine, diese Aufgabe zu übernehmen. Der Eintritt in die Stiftung wird ihr jedoch verwehrt. In die vom Land Thüringen gegründete Meininger Kulturstiftung war nach den Mittelkürzungen für das Landestheater durch Freistaat, Stadt Eisenach und Kreis das Theater Eisenach per Zustiftungsvertrag eingebracht worden (TLZ berichtete). Zum Zustiftungsvermögen gehört auch das Theatergebäude. Dem fühlt sich der Eichel-Streibersche Familienverband, der immerhin stolze 109 Angehörige zählt, bis heute verbunden. Aber auch den Theatermitarbeitern, deren Zahl durch die Mittelkürzungen halbiert wurde. „Das Eisenacher Theater muss Ansprechpartner haben, die nicht beliebig nach politischen Konstellationen alle vier bis acht Jahre wechseln.“ Zudem bekam die Zustiftung das, was Julius von Eichel-Streiber seiner Stadt spendete – „die Immobilie“, argumentiert Christine von Eichel-Streiber. Gemeinsam mit den Familienmitgliedern Almuth und Ulrich unterzeichnete sie ein Schreiben an den einstigen Kultusminister Jens Goebel, in dem sie um Sitz in der Stiftung, „aus Gründen wohlerwogenen Proporzes“ bittet.

Zusätzlich vereinbart

Verhältnismäßigkeit bezieht sie nicht nur auf die Ausgewogenheit zwischen Eisenach und Meiningen, deren Kultureinrichtungen unterm Stiftungsdach selbstständig bleiben sollen. Verhältnismäßigkeit fordert der Familienverband des Theaterhaus-Stifters auch vor dem Hintergrund ein, dass in der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach ein Vertreter der Herzogslinie derer von Sachsen und Meiningen Sitz und Stimme hat – Prinz Conrad von Sachsen-Meiningen. Einbezogen wurde er nach dem Ende der Restitutionsverhandlungen um ehemaliges Vermögen des Theater-Herzogs Ernst, auf dessen Wirken solche Gebäude wie das Residenzschloss, in dem heute das Meininger Museum untergebracht ist, und der Theaterbau zurückgehen. Nach Angaben des Direktors der Meininger Museen ist der Sitz des Nachfahren von Herzog Ernst in der Kulturstiftung Ergebnis einer „Zusatzvereinbarung im Rahmen der Restitutionsansprüche“.

Eine solche Zusatzvereinbarung wäre auch im Fall der Familie Eichel-Streiber möglich. Wegen des Proporzes habe man bereits die Erweiterung des Stiftungsrates beschlossen und der Stadt Eisenach und dem Wartburgkreis „Sitz und Stimme im dann erweiterten Striftungsrat gegeben“, heißt es in der Antwort aus dem Kultusministerium. Mit Bedauern teilte Eisenachs Oberbürgermeister dem Familienverband mit, dass der Zeitplan der Zustiftung abgeschlossen und die Verträge unterzeichnet, Stadt und Kreis angemessen vertreten seien und die „Interessender Stadt, zukünftig Theaterstandort zu bleiben, gewahrt werden können“. Es steht zu vermuten, dass sich der Familienverband des Eisenacher Theaterhausstifters nicht mit den Antworten von Land und Stadt zufrieden geben wird. „Zusatzvereinbarungen“, so Christine von Eichel-Streiber, „sind immer möglich“. Der Familie Sitz und Stimme zu geben, das ist für sie „letztlich eine Frage des guten Willens“.

Presse zu den Vorbereitungen des Ersten KULTURTAG THÜRINGEN

Pressespiegel zum ersten KULTURTAG THÜRINGEN am 6. Juli 2008

2008-04-23 TLZ
Die Lust auf Kultur wecken

Erfurt. (tlz) Musik im Meininger Museum, “Prinzenraub” in Altenburg, “Nabucco” unter freiem Himmel in Mühlhausen, Familiensonntag in Gotha, Goethes “Faust” in Weimar und eine Kinderkulturnacht in Eisenach - das sind nur einige von vielen Veranstaltungen, mit denen am 6. Juli 2008 der erste Thüringer Kulturtag gefeiert werden soll (TLZ berichtete). Bislang meldeten 24 Städte und Gemeinden des Freistaates ihre Teilnahme an.
Die noch kribbelbunte Thüringer Kulturlandschaft insbesondere den eigenen Bürgern vor der Haustür bewusst zu machen und vor weiterem Abbau zu schützen ist Ziel der Aktion, die von der KulturInitiative Thüringen ins Leben gerufen wurde. Ihre Mitglieder möchten damit Bewusstsein und Selbstbewusstsein der Menschen im Land wecken, denn die Thüringer seien noch “zu wenig stolz auf ihre Kultur”, so Koordinator Peter Mittmann. Am Kulturtag können sich Museen, Theater, Bibliotheken und Musikschulen beteiligen, aber auch private Initiativen. Am 31. Mai ist Teilnahmeschluss.
Mit der Aktion soll Politikern auch signalisiert werden, dass sie nicht leichtfertig mit dem einzigartigen Kulturerbe umgehen dürfen. Chance des Tages sei es, Parteien vor dem Hintergrund der Landtagswahl 2009 “zur Kulturkasse zu bitten”, äußerte sich Claus Strulick von der Deutschen Orchestervereinigung. Es müsse Schluss damit sein, Kultur als freiwillige Leistung auf die Streichliste zu setzen. Kultur dürfe nicht länger nur vom touristischen Standpunkt aus bewertet werden. “Gute Kulturpolitik ist gleichzeitig Bildungspolitik”, so André Störr, einer der Organisatoren.
Die Landesregierung verweise immer stolz auf die Kulturquote von 1,3 Prozent als eine der höchsten im Bundesschnitt, sagte Peter Mittmann. Dabei werde jedoch vergessen zu erwähnen, das sie automatisch an den sinkenden Landeshaushalt gebunden sei - eine “unerträgliche Situation . Die Initiative, die sich für den Erhalt der Theater und Orchester stark gemacht hat, fordert eine Festschreibung der Kulturquote für wenigstens fünf Jahre. Im Herbst will sie dem Kulturtag eine Kulturkonferenz folgen lassen. Zur Eröffnungsveranstaltung des 1. Kulturtages im Gothaer Schloss Friedenstein signalisierten Politiker von SPD, der Linken, den Grünen und der FDP ihre Teilnahme. Mit der CDU sei man noch im Gespräch.
Das Datum 6. Juli wurde nicht von ungefähr gewählt. An jenem Tag vor zwei Jahren verkündete Kultusminister Jens Goebel seinen Sparplan für Theater und Orchester. Deswegen kursiert nun auch der Begriff “Goebel-Day”. Damit wollten die Kulturtags-Initiatoren gestern ausdrücklich nicht werben. Zuviel der Ehre.
22.04.2008 Von Rita Specht

Thüringer Allgemeine

Thüringer Kulturtag feiert die Vielfalt

Kultur ist lebensnotwendig, aber nicht selbstverständlich. Dass sie verschwindet, wenn man nicht um sie kämpft, hat die Kultur-Kürzungspolitik der Landesregierung gezeigt. Die “Kulturinitiative Thüringen” hat den 6. Juli zum Kulturtag erklärt: ein Termin, der verdeutlichen soll, wie wichtig und vielseitig Thüringens Kultur ist.
ERFURT. Das Datum ist mit Bedacht gewählt. Am 6. Juli 2006 verkündete Kultusminister Jens Goebel seine Modellrechnung, einen Sparplan, der das Aus für mehrere Theater und Orchester hätte bedeuten können. Dass der Plan nur ansatzweise durchgesetzt werden konnte, ist für die Mitglieder der “Kulturinitiative Thüringen” kein Trost: Die nächste Modellrechnung kommt bestimmt.
Unter Federführung des Architekten Peter Mittmann ruft die Initiative nicht nur Institutionen - Theater, Orchester, Bibliotheken, Museen - zur Mitwirkung am Kulturtag auf. Auch Privatleute können mitmachen, etwa mit Hauskonzerten. Und sie sollten den ersten Juli-Sonntag nutzen, Kulturangebote in ihrer Nähe wahrzunehmen. Bislang beteiligen sich Veranstalter in 19 Städten, “das ist erst der Anfang”, ist Mittmann überzeugt. Theater stellen ihre Veranstaltungen unter das Kulturtags-Logo, das einer bunten Wiese ähnelt; auch das Folkfest Rudolstadt macht mit. Anmeldeschluss ist der 30. Mai.
Offiziell startet der Kulturtag um 11 Uhr in Gotha mit einer Podiumsdiskussion auf Schloss Friedenstein, an der Vertreter aller Parteien teilnehmen. “Wir werden sie zur Kulturkasse bitten”, kündigt Mittmann an. Was die Kultur den Politikern wert ist, das wüsste die “Kulturinitiative Thüringen” gern schon vor der Landtagswahl. Kleine Pikanterie am Rande: Alle Parteien unterstützen den Kulturtag rückhaltlos. Auch die CDU - ihrer Kultur-Kürzungspolitik zum Trotz.
Frauke ADRIANS 22.04.2008

2008-04-23 Freie Presse
Erster Kulturtag im Freistaat

Aktionstag will Thüringer Kultur erlebbar machen - 24 Städte haben Teilnahme zugesagt
Foto: ddp
Erfurt (ddp-lth). Die Kulturinitiative Thüringen hat den ersten Kulturtag des Freistaates ins Leben gerufen. Bei landesweiten Veranstaltungen sollen die Einwohner ihre Kultur am 6. Juli bei einem “Kultursonntag” erleben, sagte Koordinator Peter Mittmann am Dienstag in Erfurt. Ziel des Tages sei es, das Bewusstsein der Thüringer Bevölkerung für ihre eigene Kultur zu stärken. Neben der zentralen Eröffnungsfeier im Festsaal des Gothaer Schlosses Friedenstein würden zahlreiche kulturelle Einrichtungen ihre Türen zu unterschiedlichsten Veranstaltungen öffnen. Bislang hätten 24 Thüringer Städte ihre Teilnahme zugesagt.
Mittmann beklagte, dass die Thüringer zu wenig stolz auf ihre Kultur seien. Obwohl der Freistaat das Land mit der höchsten Kulturdichte von Museen bis zu Theatern sei, nehme die Bevölkerung das Angebot kaum wahr. Der Tag sei ein geeignetes Instrument, die Thüringer Kultur erlebbar zu machen, sagte Mittmann. Im Rahmen des Kulturtages seien auch “kulturverflechtende” Veranstaltungen geplant. So würden beispielsweise Musiker in Museen auftreten.
Bereits jetzt haben sich den Angaben zufolge zahlreiche Thüringer Kultureinrichtungen angemeldet. Unter anderem werde das Deutsche Nationaltheater Weimar mit einer “Faust”-Aufführung, das Altenburger Puppentheater oder auch das Meininger Theater mit Stundenkonzerten vertreten sein. Zudem gebe es eine Kinderkulturnacht und ein Kindermusical in Eisenach sowie eine Open-Air-Aufführung von “Nabucco” in Mühlhausen. Bis zum Anmeldeschluss am 31. Mai erwarten die Veranstalter weitere zahlreiche kulturelle Höhepunkte.
Auch Thüringens Politik begrüßt den ersten Kulturtag. “An diesem Tag kann gezeigt werden, über welchen kulturellen Reichtum Thüringen verfügt”, betonte die Kulturexpertin der Landtagsfraktion der Linken, Birgit Klaubert. FDP-Generalsekretär Patrick Kurth regte an, den Kulturtag zur jährlichen Tradition werden zu lassen. (ddp)

2008-04-23 TLZ
“Schatz vor der Haustür” heben

Erfurt/Eisenach. (ep) Immerhin: Das Signal zur ersten Thüringer Kulturnacht 2008 kam im November vergangenen Jahres von der Wartburg (TLZ berichtete). Dass sich das kulturgebeutelte Eisenach dieses Jahr nun doch nicht als Auftaktort der Aktion präsentiert, wie mal vorgesehen, liegt am umtriebigen Gothaer Bürgermeister. Knut Kreuch hat die Initiatoren des Kultur-Spektakels in einer Charmeoffensive davon überzeugt, dass das benachbarte Schloss Friedenstein auch ein guter Ort ist, von dem das Signal ausgehen soll: Finger weg von der Thüringer Kultur.
Das fordern die Mitglieder der KulturInitiative Thüringen, die gestern in Erfurt zum 1. Thüringer Kulturtag für Sonntag, 6. Juli einluden. Zu den Organisatoren um den Weimarer Hotelier und Koordinator Peter Mittmann zählt auch Burghauptmann Günter Schuchardt aus Eisenach, Vorsitzender des Museumsverbandes Thüringen. “Es geht darum, das kulturelle Selbstbewusstsein in Thüringen zu fördern, um Druck auf Politiker und Parteien zu machen, die Vielfalt der Kultur zu erhalten. Wir müssen es schaffen, insbesondere die einheimischen Bürger zu mobilisieren, wieder mal ins Museum, ins Theater, in die Bibliothek oder ins Konzert zu gehen.” Denn nur wer sich bewusst sei, was für einen Schatz er vor der Haustür habe, der sei auch bereit, etwas für dessen Erhalt zu tun. Am 6. Juli sollen Menschen deswegen ganz bewusst kulturelle Einrichtungen aufsuchen, Galerien, Ateliers und Konzertsäle oder Hausmusik im privaten Heim als Ereignisorte wahrnehmen, lud Günter Schuchardt ein.
Bislang meldeten 24 Städte und Gemeinden der KulturInitiative ihre Teilnahme. Unter dem bunten Logo des Tages, das eine (noch) blühende Kulturlandschaft stilisieren soll, läuft in Eisenach die Kinderkulturnacht und wird ein Jugendsinfonieorchester auftreten. Bis zum 31. Mai können weitere Kulturvereine aber auch Privatinitiativen ihre Aktionen unter www.erhaltet-thueringens-kultur.org bekannt geben.
Dr. Claus Strulick von der Orchestervereinigung Deutschland, der in der Auseinandersetzung um den Abbau der Landeskapelle öfter Gast in Eisenach war, orientierte auf Veranstaltungen insbesondere für Kinder und Jugendliche. Denn Kulturpolitik sei gleichzeitig Bildungspolitik, ergänzte Mitorganisator Andé Störr. Dr. Lutz Unbehaun, stellvertretender Vorsitzender des Museumsverbandes Thüringen, nannte es “unerträglich”, wie sowohl die Museen 2004 als auch Theater und Orchester 2006 von der Landesregierung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Damit müsse Schluss sein. Der Kulturtag biete Gelegenheit, “die Gesamtheit der Kultur im Auge zu behalten” und damit die Chance, sie vor weiterem Abbau zu schützen. KulturMuntere außerparlamentarische Kulturopposition in Thüringen: Karl-Heinz Berghäuser, Peter Mittmann, Claus Strulick, André Störr, Günter Schuchardt und Lutz Unbehaun (v.l.). Foto:ris
22.04.2008 Von Rita Specht
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1. Kulturtag Thüringen am Sonntag 6. Juli 2008

Gemeinsam wollen wir den Reichtum, die Vielfalt, die Lebendigkeit, die breite Palette der Thüringer Kultur an diesem Tag in ganz Thüringen demonstrieren und ihn so zum engagierten Bekenntnis zur Kultur unseres Landes werden lassen.

Deshalb: Seien Sie dabei beim 1. KULTURTAG THÜRINGEN

Ob in Stadt oder Land, ob mit Chor, Orchester, Instrumentalgruppe, ob als Maler, Schriftsteller, Schauspieler, Bildhauer, ob Bibliothek oder Museum, Theater oder Schlosspark, Profi oder Amateur, Aktiver oder Publikum,– zeigen Sie worauf Sie stolz sind. Demonstrieren Sie Ihre Verbundenheit mit der Thüringer Kultur.

KULTUR IST HERZENSSACHE

Weit über Deutschland hinaus kennt und bewundert man Thüringen als glanzvolles Kulturland seit Jahrhunderten, als Land der Kirchen, Schlösser, Burgen, der Bibliotheken, Museen, Ateliers, der Orchester und Theater, als Ursprungsland geistiger und künstlerischer Leistungen, als Land, in dem sich die Menschen seit alters her mit Kunst und Kultur beschäftigen.

Zeigen Sie mit dem Besuch der Kultureinrichtungen Ihrer Region besonders an diesem Tag auch Ihren Stolz auf eine der farbigsten, vielfältigsten, eindrucksvollsten Kulturlandschaften.
Treten Sie an diesem Tag mit Ihren Institutionen, Ihren Vereinen und Ensembles an die Öffentlichkeit durch Auftritte, Lesungen, Ausstellungen, Veranstaltungen jeder Art.

Treffen Sie sich als Künstler mit ihrem Publikum. In einer thüringenweiten Aktion werden Ihre Veranstaltungen durch Presse, Flyer, Plakate veröffentlicht. Schicken Sie uns Ihre Idee, Ihren Vorschlag, Ihren Beitrag für diesen Tag bis zum 30. Mai 2008.

KI.T Die KulturInitiative Thüringen
TEL 03643 – 49 20 674 FAX 03643 - 779554 E-MAIL INFOS http://www.erhaltet-thueringens-kultur.org

Antwort bitte bis 30. Mai 2008 zurückschicken

KULTURTAG THÜRINGEN – Sonntag 6. Juli 2008
Nennen Sie uns Ihre Aktivitäten, Ihren Beitrag für diesen Tag oder den Vorabend am 5. Juli – auch Veranstaltungen, die Sie für diese Tage oh-nehin schon geplant haben. Genauso sind zusätzliche Programme aus dem Repertoire willkommen oder gemeinsame Veranstaltungen verschie-dener Kultureinrichtungen und Ensembles.
Durch eine noch abzustimmende gemeinsame Erklärung, die Sie zu jeder Veranstaltung verlesen können, wollen wir eine Brücke zwischen allen Kulturaktionen dieses Tages schlagen.
Über Presse, durch Flyer und Plakate wollen wir alle Veranstaltungen dieses Tages veröffentlichen und zusammenfassen.
Bitte verteilen Sie den Aufruf an andere Interessenten weiter.

Wir planen zum 1. Kulturtag Thüringen folgende Veranstaltung:
Veranstalter
Strasse; PLZ, Ort
Art der Veranstaltung
Titel der Veranstaltung
Ort der Veranstaltung
Strasse, PLZ, Ort
Datum / Uhrzeit
Ansprechpartner
Telefon / Fax
E-Mail
Kurzbeschreibung
der Veranstaltung
Bemerkung

Datum …………………… Unterschrift …………………………………

Koordination: Peter Mittmann
Großmutterleite 18
99425 Weimar
FAX 03643 779554 / E-Mail:

TLZ 11. April 2008 zum 1. Kulturtag Thüringen

Kulturtag würdigt ominöses Jubiläum

Gotha/Erfurt. (tlz/wohi) Mit einem großen “Kulturtag Thüringen” feiern die Kulturbürger hierzulande am 6. Juli den Reichtum und die Vielfalt des Angebots an Theater und Musik, bildender Kunst, Literatur und musealen Schätzen. Wie die TLZ erfuhr, sind nun alle Künstler, Ensembles und Institutionen - egal, ob Profi oder Amateur - aufgerufen, diesen Tag zu gestalten.

Das Datum ist nicht zufällig gewählt, denn dann jährt sich zum zweiten Mal das Kahlschlag-Edikt des Kultusministers Jens Goebel (CDU), nach dem er die Theater- und Orchesterlandschaft zusammenstreichen wollte. Goebel plante, zehn Millionen Euro der Landesfördermittel zu kürzen und die Theater Erfurt und Weimar sowie die Bühnen Eisenach, Rudolstadt und Nordhausen zu fusionieren. Fünf Orchester sollten per saldo dem Rotstift zum Opfer fallen. Nun ist, zumindest bis 2012, das Schlimmste abgewendet - ein Triumph der Kulturbürger, die sich energisch zur Wehr gesetzt haben.

“Man soll ja vor dem Erfolg die Augen nicht verschließen”, meint jetzt einer der Anstifter zum Kulturtag, der von der KulturInitiative Thüringen (KI.T) als landesweites Bürgerfest koordiniert wird. Ob Konzerte in Bibliotheken, Lesungen in Schlossparks oder Theater-Aufführungen in Museen - der Kulturtag bietet die Chance zu vielfältigen Symbiosen und Vernetzungen. Vor allem die zehn Thüringer Profi-Orchester wollen sich einbringen. Die Eröffnung soll auf Schloss Friedenstein zu Gotha stattfinden.

i Wer zum Programm beitragen möchte, meldet sich bei der KulturInitiative Thüringen, Telefon 03643/4920674 oder
10.04.2008

Kultusstaatsekretär in der Süddeutschen Zeitung

Süddeutsche, 2. 4. 08
Der nackte Finger der Macht
Thüringens Kultus-Staatssekretär rechnet mit Ingo Schulze ab

Anfang November vergangenen Jahres erhielt der Schriftsteller Ingo Schulze den Thüringer Literaturpreis. Vergeben wird diese Auszeichnung von der Literarischen Gesellschaft Thüringens. Bezahlt aber wird sie nicht vom Land Thüringen, wie man bei diesem Namen hätte erwarten können, sondern von der für dieses Land zuständigen Filiale des Energiekonzerns Eon. Ingo Schulze störte sich daran: “Schon dass ich hier stehe, an diesem Pult mit der Aufschrift E.ON Thüringer Energie AG und fotografiert werde, macht mich zu einer Art Werbeträger, aber immerhin einem, dessen Wert sich mit 6000 Euro bestimmen lässt. Das heißt, mich stört, dass ich über Eon nachdenken muss, wenn ich den Thüringer Literaturpreis annehmen will.” Im Publikum saß der Geschäftsführer der Filiale Thüringen und nahm die Schwierigkeiten des Schriftstellers mit großer Gelassenheit auf. Nicht gelassen aber war Walter Bauer-Wabnegg, Staatssekretär im Kultusministerium des Landes, dem Ingo Schulzes Dankesrede erkennbar peinlich war. Sofort nach dem Ende der Feier sprang er auf den Schriftsteller zu, und dann hörte er nicht mehr auf, ihm mit ausgestrecktem, drohendem Zeigefinger im Gesicht herumzufuchteln.

Die Auseinandersetzung war damit nicht abgeschlossen. Im Januar fand in Weimar eine Podiumsdiskussion statt, auf der alle Beteiligten - und einige neue Akteure - ihre jeweiligen Standpunkte wiederholten. Und in der jüngsten, gerade erschienenen Ausgabe der Zeitschrift Palmbaum (Heft 1, 2008), dem “Literarischen Journal aus Thüringen”, lässt sich lesen, wie empört der Staatssekretär noch immer ist, wenn er an Ingo Schulze und dessen ebenso moralischen wie politischen Zwiespalt denkt. Ingo Schulze, so Walter Bauer-Wabnegg, “sähe es ganz einfach lieber, wenn in der Wirtschaft verdientes Geld erst einmal als staatliches Steuergeld sozusagen veredelt würde, bevor es höheren Zwecken wie etwa künstlerischen Preisgeldern dienen dürfte, und noch lieber wüsste er den einen oder anderen Wirtschaftszweig gleich sowieso in staatlicher Hand.” Nun ist es gewiss ungewöhnlich, dass ein hoher politischer Beamter den Staat, dem er dient, für eine überflüssige Veredelungsanstalt von Gewinnen aus der Wirtschaft hält - was hat dieser Mann für einen Begriff vom Staat? Gravierender noch ist, welchen Vorwurf er dem Schriftsteller macht: Er bezichtigt ihn des Staatsfetischismus. Und furchtbar ist auch der Ton, in dem er diesen Vorwurf vorträgt: ironisch, süffisant, herablassend, so als habe er es nicht nur mit einem ungezogenen Menschen (dem galt das Gefuchtel mit dem Zeigefinger), sondern auch mit einem uneinsichtigen, ja dummen Menschen zu tun.

Vorteile eines Feindbilds

Ingo Schulze, schreibt der Staatssekretär, habe seinen Auftritt als Ermahnungsrede missbraucht. “Und plötzlich wird alles ganz einfach: die Bösen hier, die Guten dort.” Unangebracht sei der Hinweis des Schriftstellers gewesen, die jeweiligen Eigenheiten der staatlichen Kulturförderung fielen am Ende auf die Bürger zurück, die sich gerade diese und keine anderen Volksvertreter gewählt hätten - diese beschlössen schließlich die Gesetze zum Wohl des Gemeinwesens. “Damit gar nicht erst irgendwelche Zweifel an diesem Wohl aufkommen, ordnet Schulze die Welt gleich mit, gewissermaßen als unverhohlene Wahlempfehlung. Es wäre ja auch schlimm, wenn wir am Ende noch Debatten darüber führten, was diesem Gemeinwesen am besten nützt. Da warnen wir doch lieber mal rasch vor einer galoppierenden ,Refeudalisierung der Kultur” - der Historiker möge staunen - oder entdecken in der ,allgemeinen Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche” das Grundübel schlechthin. Das zieht neuerdings immer. Denn einer komplizierten Welt setzt man am besten umso einfachere Lösungen und vor allem ein klares Feindbild entgegen. Das bindet Ängste und erzeugt Gefolgschaft.”

So verwandelt sich die populistische Kritik am Populismus, die in der Regel dem politischen Rivalen gilt, in eine Abrechnung mit einem undankbaren Schriftsteller. Ingo Schulze hatte in seiner Dankesrede nicht nur von Ökonomisierung, sondern vor allem von den Schwierigkeiten gesprochen, die ihm ein Preis bereitet, der sich als staatliche Auszeichnung geriert, aber privat finanziert ist: “Ich fragte mich, warum das Land Thüringen in seinem Kulturhaushalt nicht monatlich 250 Euro beiseite legt, um dann alle zwei Jahre einen Literaturpreis zu vergeben. Wir machen ein Geschenk, wenn es andere bezahlen.” Er suchte, was einem Schriftsteller durchaus ansteht, nach der Bedeutung von Worten. Er wollte wissen, wer ihm gegenübersteht. Er verlangte Klarheit. Aber er bekommt sie nicht.

Der ausgestreckte, drohende Zeigefinger im Gesicht eines anderen ist eine obszöne Geste, eine Intimität, die man nicht erträgt und nicht ertragen muss. Mit gutem Grund heißt es, man zeige nicht mit dem nackten Finger auf angezogene Menschen. In diesem Fall hat diese Geste den Vorteil, wenigstens ehrlich zu sein. Die hämische Herablassung im Ton des Staatssekretärs ist schlimmer. Denn sie ist die Geste einer Macht, die sich nicht befragen lassen will. Wir machen das schon, bedeutet diese Geste, untereinander, im Einverständnis des gegenseitigen Vorteils. Der Mann hat seinen Beruf verfehlt. THOMAS STEINFELD