Pressespiegel zum ersten KULTURTAG THÜRINGEN am 6. Juli 2008
2008-04-23 TLZ
Die Lust auf Kultur wecken
Erfurt. (tlz) Musik im Meininger Museum, “Prinzenraub” in Altenburg, “Nabucco” unter freiem Himmel in Mühlhausen, Familiensonntag in Gotha, Goethes “Faust” in Weimar und eine Kinderkulturnacht in Eisenach - das sind nur einige von vielen Veranstaltungen, mit denen am 6. Juli 2008 der erste Thüringer Kulturtag gefeiert werden soll (TLZ berichtete). Bislang meldeten 24 Städte und Gemeinden des Freistaates ihre Teilnahme an.
Die noch kribbelbunte Thüringer Kulturlandschaft insbesondere den eigenen Bürgern vor der Haustür bewusst zu machen und vor weiterem Abbau zu schützen ist Ziel der Aktion, die von der KulturInitiative Thüringen ins Leben gerufen wurde. Ihre Mitglieder möchten damit Bewusstsein und Selbstbewusstsein der Menschen im Land wecken, denn die Thüringer seien noch “zu wenig stolz auf ihre Kultur”, so Koordinator Peter Mittmann. Am Kulturtag können sich Museen, Theater, Bibliotheken und Musikschulen beteiligen, aber auch private Initiativen. Am 31. Mai ist Teilnahmeschluss.
Mit der Aktion soll Politikern auch signalisiert werden, dass sie nicht leichtfertig mit dem einzigartigen Kulturerbe umgehen dürfen. Chance des Tages sei es, Parteien vor dem Hintergrund der Landtagswahl 2009 “zur Kulturkasse zu bitten”, äußerte sich Claus Strulick von der Deutschen Orchestervereinigung. Es müsse Schluss damit sein, Kultur als freiwillige Leistung auf die Streichliste zu setzen. Kultur dürfe nicht länger nur vom touristischen Standpunkt aus bewertet werden. “Gute Kulturpolitik ist gleichzeitig Bildungspolitik”, so André Störr, einer der Organisatoren.
Die Landesregierung verweise immer stolz auf die Kulturquote von 1,3 Prozent als eine der höchsten im Bundesschnitt, sagte Peter Mittmann. Dabei werde jedoch vergessen zu erwähnen, das sie automatisch an den sinkenden Landeshaushalt gebunden sei - eine “unerträgliche Situation . Die Initiative, die sich für den Erhalt der Theater und Orchester stark gemacht hat, fordert eine Festschreibung der Kulturquote für wenigstens fünf Jahre. Im Herbst will sie dem Kulturtag eine Kulturkonferenz folgen lassen. Zur Eröffnungsveranstaltung des 1. Kulturtages im Gothaer Schloss Friedenstein signalisierten Politiker von SPD, der Linken, den Grünen und der FDP ihre Teilnahme. Mit der CDU sei man noch im Gespräch.
Das Datum 6. Juli wurde nicht von ungefähr gewählt. An jenem Tag vor zwei Jahren verkündete Kultusminister Jens Goebel seinen Sparplan für Theater und Orchester. Deswegen kursiert nun auch der Begriff “Goebel-Day”. Damit wollten die Kulturtags-Initiatoren gestern ausdrücklich nicht werben. Zuviel der Ehre.
22.04.2008 Von Rita Specht
Thüringer Allgemeine
Thüringer Kulturtag feiert die Vielfalt
Kultur ist lebensnotwendig, aber nicht selbstverständlich. Dass sie verschwindet, wenn man nicht um sie kämpft, hat die Kultur-Kürzungspolitik der Landesregierung gezeigt. Die “Kulturinitiative Thüringen” hat den 6. Juli zum Kulturtag erklärt: ein Termin, der verdeutlichen soll, wie wichtig und vielseitig Thüringens Kultur ist.
ERFURT. Das Datum ist mit Bedacht gewählt. Am 6. Juli 2006 verkündete Kultusminister Jens Goebel seine Modellrechnung, einen Sparplan, der das Aus für mehrere Theater und Orchester hätte bedeuten können. Dass der Plan nur ansatzweise durchgesetzt werden konnte, ist für die Mitglieder der “Kulturinitiative Thüringen” kein Trost: Die nächste Modellrechnung kommt bestimmt.
Unter Federführung des Architekten Peter Mittmann ruft die Initiative nicht nur Institutionen - Theater, Orchester, Bibliotheken, Museen - zur Mitwirkung am Kulturtag auf. Auch Privatleute können mitmachen, etwa mit Hauskonzerten. Und sie sollten den ersten Juli-Sonntag nutzen, Kulturangebote in ihrer Nähe wahrzunehmen. Bislang beteiligen sich Veranstalter in 19 Städten, “das ist erst der Anfang”, ist Mittmann überzeugt. Theater stellen ihre Veranstaltungen unter das Kulturtags-Logo, das einer bunten Wiese ähnelt; auch das Folkfest Rudolstadt macht mit. Anmeldeschluss ist der 30. Mai.
Offiziell startet der Kulturtag um 11 Uhr in Gotha mit einer Podiumsdiskussion auf Schloss Friedenstein, an der Vertreter aller Parteien teilnehmen. “Wir werden sie zur Kulturkasse bitten”, kündigt Mittmann an. Was die Kultur den Politikern wert ist, das wüsste die “Kulturinitiative Thüringen” gern schon vor der Landtagswahl. Kleine Pikanterie am Rande: Alle Parteien unterstützen den Kulturtag rückhaltlos. Auch die CDU - ihrer Kultur-Kürzungspolitik zum Trotz.
Frauke ADRIANS 22.04.2008
2008-04-23 Freie Presse
Erster Kulturtag im Freistaat
Aktionstag will Thüringer Kultur erlebbar machen - 24 Städte haben Teilnahme zugesagt
Foto: ddp
Erfurt (ddp-lth). Die Kulturinitiative Thüringen hat den ersten Kulturtag des Freistaates ins Leben gerufen. Bei landesweiten Veranstaltungen sollen die Einwohner ihre Kultur am 6. Juli bei einem “Kultursonntag” erleben, sagte Koordinator Peter Mittmann am Dienstag in Erfurt. Ziel des Tages sei es, das Bewusstsein der Thüringer Bevölkerung für ihre eigene Kultur zu stärken. Neben der zentralen Eröffnungsfeier im Festsaal des Gothaer Schlosses Friedenstein würden zahlreiche kulturelle Einrichtungen ihre Türen zu unterschiedlichsten Veranstaltungen öffnen. Bislang hätten 24 Thüringer Städte ihre Teilnahme zugesagt.
Mittmann beklagte, dass die Thüringer zu wenig stolz auf ihre Kultur seien. Obwohl der Freistaat das Land mit der höchsten Kulturdichte von Museen bis zu Theatern sei, nehme die Bevölkerung das Angebot kaum wahr. Der Tag sei ein geeignetes Instrument, die Thüringer Kultur erlebbar zu machen, sagte Mittmann. Im Rahmen des Kulturtages seien auch “kulturverflechtende” Veranstaltungen geplant. So würden beispielsweise Musiker in Museen auftreten.
Bereits jetzt haben sich den Angaben zufolge zahlreiche Thüringer Kultureinrichtungen angemeldet. Unter anderem werde das Deutsche Nationaltheater Weimar mit einer “Faust”-Aufführung, das Altenburger Puppentheater oder auch das Meininger Theater mit Stundenkonzerten vertreten sein. Zudem gebe es eine Kinderkulturnacht und ein Kindermusical in Eisenach sowie eine Open-Air-Aufführung von “Nabucco” in Mühlhausen. Bis zum Anmeldeschluss am 31. Mai erwarten die Veranstalter weitere zahlreiche kulturelle Höhepunkte.
Auch Thüringens Politik begrüßt den ersten Kulturtag. “An diesem Tag kann gezeigt werden, über welchen kulturellen Reichtum Thüringen verfügt”, betonte die Kulturexpertin der Landtagsfraktion der Linken, Birgit Klaubert. FDP-Generalsekretär Patrick Kurth regte an, den Kulturtag zur jährlichen Tradition werden zu lassen. (ddp)
2008-04-23 TLZ
“Schatz vor der Haustür” heben
Erfurt/Eisenach. (ep) Immerhin: Das Signal zur ersten Thüringer Kulturnacht 2008 kam im November vergangenen Jahres von der Wartburg (TLZ berichtete). Dass sich das kulturgebeutelte Eisenach dieses Jahr nun doch nicht als Auftaktort der Aktion präsentiert, wie mal vorgesehen, liegt am umtriebigen Gothaer Bürgermeister. Knut Kreuch hat die Initiatoren des Kultur-Spektakels in einer Charmeoffensive davon überzeugt, dass das benachbarte Schloss Friedenstein auch ein guter Ort ist, von dem das Signal ausgehen soll: Finger weg von der Thüringer Kultur.
Das fordern die Mitglieder der KulturInitiative Thüringen, die gestern in Erfurt zum 1. Thüringer Kulturtag für Sonntag, 6. Juli einluden. Zu den Organisatoren um den Weimarer Hotelier und Koordinator Peter Mittmann zählt auch Burghauptmann Günter Schuchardt aus Eisenach, Vorsitzender des Museumsverbandes Thüringen. “Es geht darum, das kulturelle Selbstbewusstsein in Thüringen zu fördern, um Druck auf Politiker und Parteien zu machen, die Vielfalt der Kultur zu erhalten. Wir müssen es schaffen, insbesondere die einheimischen Bürger zu mobilisieren, wieder mal ins Museum, ins Theater, in die Bibliothek oder ins Konzert zu gehen.” Denn nur wer sich bewusst sei, was für einen Schatz er vor der Haustür habe, der sei auch bereit, etwas für dessen Erhalt zu tun. Am 6. Juli sollen Menschen deswegen ganz bewusst kulturelle Einrichtungen aufsuchen, Galerien, Ateliers und Konzertsäle oder Hausmusik im privaten Heim als Ereignisorte wahrnehmen, lud Günter Schuchardt ein.
Bislang meldeten 24 Städte und Gemeinden der KulturInitiative ihre Teilnahme. Unter dem bunten Logo des Tages, das eine (noch) blühende Kulturlandschaft stilisieren soll, läuft in Eisenach die Kinderkulturnacht und wird ein Jugendsinfonieorchester auftreten. Bis zum 31. Mai können weitere Kulturvereine aber auch Privatinitiativen ihre Aktionen unter www.erhaltet-thueringens-kultur.org bekannt geben.
Dr. Claus Strulick von der Orchestervereinigung Deutschland, der in der Auseinandersetzung um den Abbau der Landeskapelle öfter Gast in Eisenach war, orientierte auf Veranstaltungen insbesondere für Kinder und Jugendliche. Denn Kulturpolitik sei gleichzeitig Bildungspolitik, ergänzte Mitorganisator Andé Störr. Dr. Lutz Unbehaun, stellvertretender Vorsitzender des Museumsverbandes Thüringen, nannte es “unerträglich”, wie sowohl die Museen 2004 als auch Theater und Orchester 2006 von der Landesregierung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Damit müsse Schluss sein. Der Kulturtag biete Gelegenheit, “die Gesamtheit der Kultur im Auge zu behalten” und damit die Chance, sie vor weiterem Abbau zu schützen. KulturMuntere außerparlamentarische Kulturopposition in Thüringen: Karl-Heinz Berghäuser, Peter Mittmann, Claus Strulick, André Störr, Günter Schuchardt und Lutz Unbehaun (v.l.). Foto:ris
22.04.2008 Von Rita Specht
weiterlesen »