Mit den Waffen des Kulturlandes
Eisenach. (tlz) Am Schauplatz des Sängerkrieges, auf der Wartburg, sagten am Sonnabend Mitglieder der Kulturinitiative Thüringen und anderer kultureller Verbände und Einrichtungen weiteren kulturellen Streichplänen der Thüringer Landesregierung den Kampf an - mit friedlichen Mitteln, versteht sich. Die aus der Bürgerinitiative Erhalt Thüringer Kultur um den Weimarer Architekten Peter Mittmann hervorgegangene Gruppe plant in Zusammenarbeit mit 22 großen Kulturverbänden am 6. Juli 2008 einen thüringenweiten Kulturtag. Exakt an jenem Datum, zwei Jahre vorher, hatte Kultusminister Jens Goebel (CDU) seine Streichpläne verkündete, in dessen Folge unter anderem das Eisenacher Landestheater sein Musiktheater und insgesamt 80 Stellen verlor.
Beim Kulturtag gehe es darum, die Vielfalt der Kultur, deren Bedeutung weit über das Land hinaus reiche, zu demonstrieren, um sie den Bürgern einmal in voller Schönheit ins Bewusstsein zu rücken, sagte Peter Mittmann. Er ist sicher: Wenn die Menschen erst einmal erfassten, um welchen Schatz es sich handele, könne man über sie auch die eher fiskalisch agierende Politik erreichen.
Nächstes Jahr im Frühjahr soll außerdem auf der Wartburg eine Kulturkonferenz einberufen werden. Dort wollen Kulturverbände und -vereine Wahlprüfsteine auswerten, wie sie den Parteien im Land vor der letzten Wahl vorgelegt wurden, informierte Karl-Heinz Berghäuser von der Kulturinitiative. Von der Prüfung will man die neuen Forderungen an die Landespolitik ableiten und nicht locker lassen - und sollte es bis zur nächsten Wahl dauern. Noch vor der Verabschiedung des Landesetats im Dezember will die Initiative bei der Landesregierung wegen der Umverteilung von Mitteln für Musik- und Kunstschulen intervenieren. Das Budget dafür ist zwar nicht kleiner geworden, muss jedoch, weil es den Kommunnen nun über den kommunalen Finanzausgleich zu geführt wird, viel stärker geteilt werden, was sich für die Schulen existenzbedrohend auswirkt. Die Initiative fordert deshalb eine Rückkehr zur direkten Förderung.
Kritik übte Peter Mittmann am Verhalten von Ministerpräsident Dieter Althaus und Kultusminister Goebel, die Kulturdiskussion immer wieder abzuwürgen. Nachdem zunächst bei einem Gespräch im März 2007 die Kulturkonferenz angeregt worden sei, habe die Regierung sie jedoch nicht weiter verfolgt. Nicht einmal ein Schreiben mit einer Nachfrage sei beantwortet worden. Deshalb habe man sich nun entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zu den Eisenacher Mitgestaltern der Konferenz zählt Hotelier Hans-Joachim Hoock.
Claudia Wegner aus Weimar, bei der künftig die Fäden der Kulturinitiative Thüringen zusammenlaufen, ermunterte Kulturschaffende im Freistaat, sich anzuschließen. Wer die friedliche Wende geschafft habe, der dürfe nicht ein paar Jahre später tatenlos mit ansehen, wie die Kultur im Freistaat abgewickelt werde. Es gelte, Farbe zu bekennen, sagte sie in Eisenach.Sorgen sich um den Erhalt der Kulturlandschaft in Thüringen: Karl-Heinz Berghäuser (links), Claudia Wegner und Peter Mittmann. Foto: Specht
18.11.2007 Von Rita Specht