Archiv des Monats Januar, 2007

Aufruf zur Protestdemonstration in Gotha am 1. Februar 2007

Die Gelegenheit zum Protest anlässlich der „Thüringen-Tour“ des Herrn Ministerpräsidenten Althaus nutzt die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl am morgigen Donnerstag, 1. Februar 2007.

Alle Freunde des Orchesters werden aufgerufen
am Donnerstag, 1. Februar ab 9.15 Uhr in der Oskar-Gründler-Straße in Gotha
mitzuprotestieren und Herrn Althaus an sein Wahlversprechen im Jahre 2004
„Wir werden doch etwas, was wir mühevoll fusioniert haben, nicht gleich wieder auflösen!“ zu erinnern

Zynischer geht’s kaum, 30.1.2007, Pressemitteilung der INITIATIVE ERHALT THÜRINGER KULTUR

Thüringer Symphoniker aus Rudolstadt und Saalfeld sollen abgewickelt werden

Ungerührt von den Protesten der Thüringer Bevölkerung fährt die Thüringer Landesregierung in ihrem unverantwortlichen und undemokratischen, für das Land unkalkulierbaren Kulturabbau fort.

Woher nimmt die Landesregierung, die 2004 lediglich 22,17 % der Wahlberechtigten in Thüringen hinter sich brachte, die Legitimation, das „hohe Gut einer dichten Kulturlandschaft“ (Ministerpräsident Althaus) derart gewissenlos zu vernichten?

Die Landrätin des Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Marion Philipp spricht von „Erpressung“, wenn sie sich vor die Entscheidung gestellt sieht, die Abfindungsgelder gleich bezahlt zu bekommen oder ab 2012 selbst zu bezahlen.

Vor einigen Jahrzehnten war die bis heute reichende Empörung zu Recht groß, als in der DDR mit den Resten der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam, des Theaters in Gotha, mit der Universitätskirche in Leipzig wertvolle Kulturgüter abgerissen wurden, ohne die Chancen der Städte für ihren Erhalt zu bedenken.

Nun macht sich die Thüringer Landesregierung daran – ebenso bedenkenlos und ungeachtet der heutigen Proteste – lebende, gepflegte, betriebene und genauso wertvolle traditionsreiche Kulturgüter, wie die über dreieinhalb Jahrhunderte alten Orchester in Gotha und Rudolstadt zu liquidieren.

So soll es nach dem Willen der zurzeit Thüringen per Dekret Regierenden in Zukunft, auch nach den nächsten Wahlen, weitergehen, bis alle Theater und Orchester bis auf die letzten „drei Standorte“ (Kultusminister Goebel) „erledigt“ sind. Dafür scheut man keine Kosten!

Und die geschätzte, bewunderte, geliebte „Kulturlandschaft Thüringen“? Nur noch eine leere Phrase? Oder, im besten Fall, nur noch eine schöne Erinnerung?

Die hohen Kosten dieser verhängnisvollen Kulturabwicklung, die Umwandlung von Theater- und Orchesterbeschäftigten in einige Hundert Arbeitslose nennt man im Kultusministerium „Transformationskosten“. – „Das wollen wir so!“ sagte Ministerpräsident Althaus vorigen Freitag im Landtag.

Und auch das ist sicher wahr: Wenn die Thüringer Landesregierung in ihrem eigenen Bereich in den vergangenen zwölf Jahren genauso deutliche und schwierige Strukturveränderungen betrieben hätte, wie sie die Theater und Orchester mit ihrem so erheblichen Personal- und Spartenabbau schon bisher durchgestanden haben, dann gäbe es wohl so manche der heutigen, auch finanziellen Probleme in Thüringen nicht.

V. i. S. d. P.: Peter Mittmann

“Keine Entlassungen”, 31.1.2007, TLZ

Gera. (tlz/wohi) Lohn- und Gehaltskürzungen werde es mit ihm als Intendanten nicht geben, sagte Matthias Oldag, Chef des Altenburg-Geraer Vier-Sparten-Hauses, gestern der TLZ. Gleichwohl hat der versierte Theatermann in seinen Kalkulationen für 2009 bis 2012 Nullrunden schon eingeplant; Tariferhöhungen würden Stellen kosten. Entlassungen will Oldag auf jeden Fall vermeiden.
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Das zweite Orchester steht vor dem Ende, 31.1.2007, TLZ

Intendant Axel Vornam sieht das Ende einer langen Musiktradition bevorstehen.
Rudolstadt. (tlz) Die Thüringen Symphoniker in Saalfeld/Rudolstadt stehen kurz vor dem Aus. Voraussichtlich werden die Träger - beide Städte und der Landkreis - bereits diesen Freitag die Weichen für die Abwicklung des 42-Mann-Orchesters stellen. Die Kosten beziffert Intendant Axel Vornam nach derzeit gültigen Tarifen auf 8,4 Millionen Euro. Die Thüringen Symphoniker repräsentieren dreieinhalb Jahrhunderte Musiktradition im Südosten des Landes.
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Zwischen Pest und Cholera, 31.1.2007, TA

In Berlin empört sich die Deutsche Orchestervereinigung gegen die verheerende Thüringer Kulturpolitik. In Erfurt macht der Kultusminister die Orchester platt. Erste Opfer der deutschlandweit beispiellosen Klangkörpervernichtung sind die Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt.

BERLIN/THÜRINGEN. Es gibt keine Rettung für das 42 Musiker starke, 373 Jahre alte Orchester, wenn nicht ein Wunder geschieht. “Und an Wunder glaube ich nicht mehr”, sagt Axel Vornam. Der Intendant des Theaters Rudolstadt, der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und die beiden Städte haben alles versucht. Zur Rettung des Orchesters wollten die kommunalen Träger ihre Förderung um 900 000 Euro aufstocken, vorausgesetzt, das Land erhöht um die gleiche Summe. Kultusminister Goebel antwortete, indem er die Träger vor eine Wahl stellte, die die Landrätin Marion Philipp eine Erpressung nennt und die Axel Vornam als Wahl zwischen Pest und Cholera bezeichnet.
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Rudolstädter Orchester wird geschlossen, 30.1.2007, OTZ

Konzert der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt im Saalfelder Meininger Hof. Für das Überleben des Orchesters gibt es Landrätin Marion Philipp zufolge keine Hoffnungen mehr. (Foto: OTZ/Klaus Moritz)
Landrätin spricht von Erpressung
Rudolstadt/Saalfeld (OTZ/ulm). Das Ende der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt ist besiegelt.

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wird sich dem Zwang der Landesregierung beugen und das 42-köpfige Musikensemble schließen müssen. Das erklärte gestern Landrätin Marion Philipp (SPD) gegenüber dieser Zeitung. “Für mich ist das Erpressung.” Ihr bleibe keine Wahl.

Das Kultusministerium stellt die Träger in einem Brief vom 25. Januar vor die Entscheidung: Entweder wickeln die Städte Rudolstadt und Saalfeld sowie der Kreis die Symphoniker bis Ende 2008 ab und erhalten für die Abfindungen in Höhe von insgesamt acht Millionen Euro finanzielle Hilfe vom Freistaat; oder: das Land fördert das Theater bis 2012 mit jährlich 2,4 Millionen Euro. Das Ministerium kündigt aber jetzt schon an, dass danach die Subventionen vollständig gestrichen würden. Die Abwicklungskosten müssten dann die Träger allein übernehmen, was sie finanziell überfordern würde.

“Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera”, kommentierte gestern Intendant Axel Vornam frustriert den Brief.

Die Mühen der Theater-Ebene, 20.1.2007, TA

Heute treffen sich Erfurt und Weimar auf der “Arbeitsebene”, die Verwaltungsdirektoren beider Bühnen und die Stadtkulturdirektoren, im Kultusministerium. Und heute ist Peter Krause von der CDU Weimar zu Gast in der Freundesgesellschaft des Erfurter Theaters.

ERFURT. Es ist schwer zu sehen, was heute zur Klärung des Konfliktes zwischen Erfurt und Weimar ernsthaft diskutiert werden könnte. Es gibt verhärtete Frontstellungen und die “Arbeitsebene” verfügt über kein Mandat zu weitergehenden Angeboten.
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Widersprüche und Gegenwind, 29.1.2007, Freies Wort

ERFURT – In die seit Monaten schwelende Debatte der Thüringer Kulturpolitik hat sich jetzt auch die Landes-FDP eingeschaltet. Die Partei vermisst eine klare Linie der Landesregierung, hieß es am Wochenende. Auf der einen Seite werbe Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) mit dem herausragenden Kulturstandort, auf der anderen Seite streiche sein Kabinett die Zuschüsse für Theater und Orchester um ein Sechstel auf 50 Millionen Euro, sagte Generalsekretär Patrick Kurth gestern in Erfurt.
Er kündigte an, zur Lösung der Probleme, die auch das Deutsche Nationaltheater in Weimar betreffen, die Spitze seiner Partei einzuschalten.

FDP: Verwaltung zuerst

Bevor die Regierung keine Landeskulturplanung sowie Pläne für eine Verwaltungs- und Gebietsreform vorlegt, darf es nach Ansicht von Kurth keine Änderung bei der Theater- und Orchesterfinanzierung geben.
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Weimarwerk ist über Alleingang der CDU “not amused”, 29.1.2007, TLZ

Weimar. (tlz) Das Weimarwerk Bürgerbündnis zeigt sich ein wenig verschnupft, dass sich der Koalitionspartner CDU ohne Abstimmung innerhalb der Koalition mit Vorschlägen zur Zukunft des DNT an die Öffentlichkeit wendet. Aus Sicht der Weimarwerk-Stadtratsfraktion und des Vorstandes, die sich am Samstag in Tiefurt zu einer Klausurberatung trafen, kommt es jetzt darauf an, dass der Oberbürgermeister – auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses – die Gespräche mit dem Land und der Stadt Erfurt intensiv fortsetzt. Für eine starke Verhandlungsposition ist eine geschlossene Haltung aller Stadtratsfraktionen nötig.
Um eine mehrheitsfähige Konzeption zu erarbeiten, wird das Weimarwerk Bürgerbündnis in den nächsten Tagen alle Stadtratsfraktionen zu Gesprächen einladen.

TAcheles: Druck, 27.1.2007, TA

Die Dinge bewegen sich schneller. Nur, dass niemand weiß wohin, nicht einmal die handelnden Personen. Gestern scheiterte, natürlich, die Abwahl des Kultusministers, die im Übrigen nicht das Mindeste geändert hätte. Immerhin zwang der Vorgang den Ministerpräsidenten, sich deutlich vor seinen Minister zu stellen, dem er gelegentlich ein Bein stellte. Gestern waren auch Stephan Märki und Volkhard Knigge bei Dieter Althaus und es fällt schwer zu glauben, dass ein solches Gespräch die Kulturpolitik in einem zentralen Punkt grundhaft zu revidieren vermag. In der kommenden Woche gibt es Gespräche zwischen Erfurt und Weimar im Ministerium mit einem neuen Vorschlag der Weimarer CDU, die gleichsam die Flucht nach vorn antritt. Allerdings mit einem Vorschlag, bei dem im künstlerischen Bereich lediglich Erfurt zu sparen hätte und der also keine große Perspektive hat. Immerhin: Alle machen jetzt mit - aber niemand weiß Bescheid.

Henryk GOLDBERG

Demnächst in diesem Staatstheater,27.1.2007, TA

Das hätte peinlich werden können für Dieter Althaus und seinen Kultusminister. Hätten statt zweier Linkspartei-Abgeordneter drei Vertreter der CDU im Landtag gefehlt, dann hätte sich Jens Goebel eine von einer Parlamentsmehrheit ausgesprochene Missbilligung eingefangen. Während der Minister sich im Plenum verteidigte, setzte die Weimarer CDU einen Vorschlag zur Kooperation des DNT mit der Neuen Oper Erfurt in die Welt.
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Am Ende müssen die Bibliotheken bluten, 26.1.2007, TLZ

Weimar. (tlz/fqu) In der derzeit geführten Theaterdebatte sieht der Thüringer Literaturrat einen Versuch, statt landesweite Kulturpolitik zu betreiben, lediglich den Geldhahn zuzudrehen. Diese Form von Kulturpolitik habe ihren Namen nicht verdient, teilten die Sprecher des landesweiten Gremiums, der Schriftsteller Matthias Biskupek und Frank Simon-Ritz, der zugleich Vorsitzender des Thüringer Bibliotheksverbandes ist, mit. Die drastische Kürzung der Landeszuschüsse für Theater und Orchester sei keine Gestaltung, zumal das Kultusministerium eine klare Aussage dazu verweigere, “wie man sich die Kulturlandschaft in zehn Jahren vorstellt”, heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme.
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Kultusminister Goebel bleibt im Amt, 26.1.2007, Sächsische Zeitung online

Erfurt (dpa) Der Thüringer Kultusminister Jens Goebel (CDU) bleibt im Amt. Die CDU-Fraktion lehnte am Freitag mit ihrer Mehrheit im Landtag die Rücktrittsforderung der Opposition ab.
Linkspartei und SPD warfen Goebel einen Kahlschlag in der Kulturpolitik vor. Mit dem Sparkurs bei Theatern und Orchestern, deren Zuschüsse von 2009 an um rund zehn Millionen auf 50 Millionen Euro gekürzt werden sollen, habe er den Ruf Thüringens als Kulturlandschaft zunichte gemacht. Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) stellte sich hinter seinen Minister. Die Strukturänderungen seien notwendig, um die Einrichtungen auch in Zukunft zu erhalten.
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Wenn der Chef für seinen Kultusminister spricht, 26.1.2007, OTZ

Jens Goebel darf weitermachen und Ministerpräsident Dieter Althaus erklärt, warum
Von Volkhard Paczulla

Durcheinander, kulturpolitisches Chaos, Schiffbruch, Scherbenhaufen.
Die oppositionelle Beschreibung von CDU-verantworteter Kulturpolitik gestern im Landtag unterschied sich nur in der Wortwahl. Ergebnis der zweistündigen Debatte: Ein erwartet gescheiterter Antrag, Regierungschef Dieter Althaus möge seinen Vollstrecker Jens Goebel vom Ministersessel zurück auf die Abgeordnetenbank schicken. Nur wer genauer hinhörte, erfuhr ein wenig mehr.
Dass es nämlich nicht nur um vergleichsweise läppische zehn Millionen Euro Sparziel bei Theatern und Orchestern geht. Sondern um die Furcht, ab 2009 weitere 15 bis 20 Millionen drauflegen zu müssen, wenn alles bleibt, wie es ist. Nicht Goebel, Althaus selbst sprach an, was ihn an Rudolstadt/Saalfeld so stört. Es sei “nicht wirklich sinnvoll”, dort sowohl mit dem eigenen Orchester als auch mit dem Sondershäuser Loh-Orchester das gleiche (gemeint war dasselbe) Stück einzuüben.
Mit der neuen Zuschussverteilung des Landes ist klar, welcher Klangkörper auf “künftig wegfallend” gestellt ist. Unklar bleibt, weshalb der Regierungschef erneut betonte, die Gestaltung der Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft sei vor allem Aufgabe der kommunalen Träger. Genauso unklar wie die Versicherung des CDU-Abgeordneten Christian Carius, der Kunst-Ausschuss des Parlaments werde sich ernsthaft und unvoreingenommen mit dem SPD-Vorschlag eines Kulturraumkonzepts beschäftigen. Althaus sagte zehn Minuten später, die Kommunen, die das kritisch sehen, hätten sehr recht. Das sieht nach Taktik aus: Der Ausschuss berät und die Regierung schafft Tatsachen.

CDU Weimar für Staatstheater Weimar, 26.1.2007, TA

CDU-Kreisverband und -Fraktion haben gestern einen eigenen Vorschlag in die Theaterdiskussion eingebracht. Thüringer Allgemeine dokumentiert ihn im Wortlaut”
“CDU Weimar fordert EXZELLENZOFFENSIVE IM KULTURBEREICH Vorschlag für STAATSTHEATER Weimar Das Mehrspartenhaus Deutsches Nationaltheater Weimar muss auf höchstem Qualitätsniveau für Weimar und Thüringen erhalten werden.
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Walther Doering, 25.1.2007, TLT/ Leserbrief

An die CDU-Fraktion des Thüringer Landtages

Wenn Sie den Fraktionszwang für wichtiger halten, als die Kultur des Landes Thüringen, dann sollten Sie vor der Abstimmung zum Rücktritt des Kultusministers Goebel das alte Lied “Die Partei, die Partei, die hat immer
recht…” anstimmen. Etliche von Ihnen werden den Text wohl noch kennen.

Walther Doering
Meiningen

So grün war mein Tal, 25.1.2007, DIE ZEIT

Thüringens dichter Kulturlandschaft droht ein Kahlschlag.
Doch der Widerstand gegen die Sparpläne wächst.
Eine Rundreise VON VOLKER HAGEDORN

Der Orkan hat Eisenach erreicht. Er
orgelt dunkel überm Dach, während
unten das Orchester spielt und die
Sänger jubeln: »Welches Vergnügen,
welch frohe Tage!« Vom Schnürboden tropft Wasser.
Das Theater hält nicht dicht. Grüne Stoffbahnen
bauschen sich im Wind, der über die
Hinterbühne bis ins Parkett dringt und die paar
Besucher frösteln lässt. Sechs Busse mit weiteren
Opernfreunden hat der Sturm gestoppt. Die wenigen,
die zu Mozarts Gärtnerin aus Liebe kamen,
durften gratis hinein, damit die Vorstellung nicht
in die Statistik gerät. Schlechte Zahlen kann der
Intendant Michael Schlicht weniger gebrauchen
denn je. Sein Theater ist bedroht, und nicht nur
seines. Der Orkan ist bloß ein Windstoß neben
den Sparplänen der Landesregierung.
Zehn Millionen Euro sollen Thüringens Theater
und Orchester sparen, größere wie in Weimar und
kleinere wie in Eisenach. Das ist einerseits nicht viel
Geld. Man kann davon etwa 600 Meter Autobahn
im Thüringer Wald bezahlen oder ein Jahr Ackermann
im Chefsessel. Zehn Millionen entsprechen
gerade mal 0,1 Prozent des Landeshaushalts von
Thüringen. Doch für weite Teile der Kultur kommt
die Summe einem Kahlschlag gleich. Gleich sieben
Theater nebst Orchestern und drei weitere Klangkörper
müssen dann mit etwa 50 Millionen Euro
vom Land auskommen und dem, was die Gemeinden
dazubezahlen. Dass es trotz vieler Abwicklungen
seit der Wende noch so viele öffentlich geförderte
Ensembles im Land gibt, ist eine Spätfolge der einzigartigen
Kleinstaaterei.
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Ende des Banausentums!, 25.1.2007, TLZ

Jetzt kann Kamikaze-Pilot Jens Goebel (CDU) das Weimarer DNT nur noch “bombardieren”. Die stärkste Weimarer Ratsfraktion und -partei, die CDU, zeigt ihm und seinem Kulturstaatssekretär Walter Bauer-Wabnegg (CDU) die kalte Schulter. Das bedeutet eine rigorose Antwort auf das Drängen des Ministerpräsidenten, der Weimar hinter den Kulissen seit Wochen pausenlos nötigt, sich einer Quasi-Fusion mit der Erfurter Oper zu ergeben - und dabei sein DNT quasi preiszugeben.

Das perfide Konzept des Gegeneinanderstellens der ohnehin schwierigen Nachbarstädte Weimar und Erfurt schon durch Nennung eines Betrages, um den sich dann beide balgen sollten, ist gescheitert, mehr noch: Es hatte am Ende Züge von Brunnenvergiftung. Aus der Weimarer Doppelstadt Jena, nämlich vom Vorsitzenden des DNT-Theatervereins, des Jenoptik-Chefs und Althaus-Beraters Alexander von Witzleben, wurde gar die Erfurter Universität in Frage gestellt.
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So ein Theater, 25.1.2007, TA

Kindergärtnerinnen, Theater, Universitäten - Jens Goebel hat sich Feinde gemacht. Heute soll der Landtag über den Kultusminister abstimmen. Dabei liegt vieles in seinem Haus begründet, das aus den falschen Gründen entstand und aus der Staatskanzlei ferngesteuert wird. Die Geschichte einer Fehlkonstruktion, deren Ursprünge weit zurückreichen.

ERFURT. Zwei ganze Jahre und ein halbes im Amt hat es gedauert, bis der Kultusminister des Freistaates Thüringen zeigt, dass auch er Nerven besitzt.

Die Letzten beißen die Hunde, sagt Jens Goebel öffentlich und meint die Kulturschaffenden, die ihm nicht folgen.
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CDU Weimar lässt Althaus abblitzen, 25.1.2007

Weimar/Erfurt. (tlz) Es wächst nicht zusammen, was nicht zusammen gehört: Die Weimarer CDU-Spitze zeigt der CDU-Landesregierung im Kulturstreit mit Erfurt die kalte Schulter. Sie will aus der Landesdebatte um die Theaterfinanzierung aussteigen. Darauf haben sich nach TLZ-Informationen Parteichef und Landtagsabgeordneter Peter Krause und Fraktionschef Staatssekretär Stephan Illert am Dienstagabend in vertraulicher Runde verständigt. Ein sichtlich geknickter Kulturstaatssekretär Walter Bauer-Wabnegg wurde Zeuge dieses Vorgangs, der der Theaterdebatte in der Thüringer Mitte eine neue Richtung gibt.
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Linksfraktion fordert die Entlassung des Thüringer Kultusministers, 23.1.2007

Pressemitteilung PDS/DIE LINKE Thüringen:

„Das Maß ist voll. Nicht erst seit der unsäglichen Äußerung von ‚Den Letzten, den die Hunde beißen’ wissen wir, dass Prof. Dr. Jens Goebel nicht in der Lage ist, seiner Ministerverantwortung gerecht zu werden“, betont die kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei.PDS, Dr. Birgit Klaubert, und kündigt einen Entschließungsantrag ihrer Fraktion für die Landtagssitzung in dieser Woche an.

Mit dem Antrag soll der Thüringer Landtag das Verhalten von Minister Goebel missbilligen und – da es der Landtag laut Geschäftsordnung nicht selbst kann - den Thüringer Ministerpräsidenten auffordern, den Kultusminister zu entlassen.

In der Begründung des Entschließungsantrags wird „die ganze Palette der Fehlleistungen dieses Ministers“ aufgelistet. Frau Dr. Klaubert verweist u. a. auf die jüngsten Urteile des Thüringer Oberverwaltungsgerichts zur Rechtsunwirksamkeit der Verordnung zur Lernmittelpauschale und zur Teilzeitverbeamtung von Lehrern. Statt die Verantwortung zu übernehmen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen, sitze der Minister die Probleme aus oder bürde gar, wie im Falle der unrechtmäßig erhobenen Lernmittelpauschale, den Betroffenen die Hauptlast auf. Was den Hochschulbereich betreffe, habe der Minister trotz zahlreicher und begründeter Proteste eine Gesetzesnovelle vorgelegt, die den Thüringer Hochschulen Einschnitte und Verschlechterungen bringe.

„Vor allem aber ist bei den Theaterverhandlungen das Fass nun endgültig übergelaufen“, unterstreicht die Kulturpolitikerin der Linksfraktion. „Ignoranz und Arroganz kennzeichnen den Umgang Goebels mit den um ihre Existenz kämpfenden Theatern und Orchestern und ihren Trägern. Wer es sich zum Konzept macht, dass den Letzten die Hunde beißen, ist nicht würdig, Thüringer Kultusminister zu sein“, so Klaubert abschließend.

Vom Hund schon gebissen, 24.1.2007, TLZ

Erfurt kann auch allein. Nämlich Oper spielen. Das betont Andreas Bausewein, der es ja wissen muss, weil er der oberste Kulturbürgermeister der Landeshauptstadt ist. Vor allem weiß er, dass er nicht gebissen werden will. Beileibe nicht von jenen kulturalministrösen Raubviechern, welche der oberste Thüringer Waldmeister von der Leine lässt, falls wer bei ihm nicht schnell genug unterschreibt. Klar, da möchte kein Oper-Bürgermeister der Letzte sein. Der tapfere Bausewein stellt also dem Jägermeister ein Ultimatum bis 10. Februar: dass er´s allein machen dürfe, sofern die Weimaraner nicht mitheulen wollen. Denn die halten sich, wie man weiß, für eine Edelrasse. (Was nicht völlig von der Pfote zu weisen ist.)

Im Chor heulen die Schlosshunde

Rückblende: Hei, war das eine tolle Parforce-Jagd durch unser verholztes Kulturpflanzengehege, als der sch(l)ießwütige Waldmeister die ersten Delinquenten zur Unterschrift trieb. Damit sind diese sechs Ersten bereits gebissen. Nur wissen sie es noch nicht. Was auf der Strecke bleibt, weist sich nächstes Jahr erst, wenn sie ihre klapperdürren Kulturschafe zu scheren versuchen.

Dann möchte Altenburgs Oberkulturbürgermeister Wolf als guter Hirte noch tiefer als bis in die Unterwolle schneiden. Nicht nur auf Gehaltssteigerungen, sondern gleich auf Gehaltsteile sollen die ohnehin kärglich verköstigten Schäflein verzichten. Unversehens rutscht da das Messer so tief, dass ein ganzes Gehege - eine Sparte - geschlachtet wird.

In Gera und Altenburg mögen darüber im Chor die reußischen Schlosshunde heulen, doch weder rettet das irgendein Fell, noch werden die Kulturbürger sich dann noch erinnern, wer eigentlich die Schuld am Gemetzel trägt. (Der oberste Jägermeister macht ja sein Messer nicht blutig.) Ganz ähnlich wird´s zugehen in Nordhausen/Sondershausen, wo man dem waidwunden Hochkulturwild abermals ein Standbein amputiert, und in Jena, wo eine ganze Stadt sich vorzurechnen weigert, dass das dürre Subventionsstroh von Waldmeisters Gnaden für die philharmonische Herde nicht reicht. Ruhet sanft, dort am Saalestrand, während des Nachts ihr Kulturschafe zählet! Es werden, seid´s gewiss und gewärtig, zusehends weniger in eurer Koppel. Klüger ist dagegen Eisenachs Hirte: Der trägt lieber gleich die Häute seiner Lieben auf den Markt der Fusion. Weil er nicht anders kann - und weil so wenigstens klar wird, wer wirklich die Schuld daran trägt.

Doch zurück in die Zukunft und in die Landeshauptstadt: Dort hat man dem obersten Moloch bereits drei Sparten voller Kulturschäflein geopfert, und das sei, wie man lauthals erklärt, eine “Vorleistung”. Obwohl es nur dann die Anerkennung als “Leistung” verdiente, wenn man Kultur als ein Übel verstünde, von dem es sich zu befreien gälte. Trotzdem kann man ehrlich und guten Gewissens mit Weimaranern nicht fusionieren, weil man nichts aufzubieten hat, was diese nicht besser vermögen.

Hunde, die beißen, singen nicht

Daher hat Oberkulturbürgermeister Bausewein völlig Recht: Bloß schnell allein beim Waldmeister unterschreiben. Dann wird nicht er, sondern es werden die Weimaraner gebissen. (Indessen DNT-Intendant Stephan Märki noch meint, von einem Weimaraner würde er sich gern in die Fänge nehmen lassen. Dass dem armen Tier darüber bloß nicht der Kiefer bricht!) Schlussblende: Wir sind am Ende unserer Waldmeister-Vision. Durch das kleine Kulturstädtchen streunen ein paar Edelhunde - stolz, aber auf klapprigen Läufen. Die in Rudolstadt soll gefälligst der Werwolf holen. Und in Erfurt: Dort sehen wir nächtens einen einsamen Dackel auf dem Petersberg sitzen und hören ihn herzzerreißend den Mond besingen (weil er ihn für einen Theater-Scheinwerfer hält). Ja, wird dazu der Waldmeister beifällig nicken: Das ist Musik in unseren Ohren. Hunde, die singen, beißen ja nicht.

Von Wolfgang Hirsch

Bewährungsprobe für CDU-Fraktion, 24.1.2007, TLZ

Erfurt. (tlz) Die CDU-Fraktion im Landtag steht in dieser Woche vor einer neuen Bewährungsprobe ihrer Geschlossenheit. Denn die Unionsabgeordneten müssen im Landtag Farbe bekennen, ob sie die Kulturabbaupolitik von Kultusminister Jens Goebel mittragen oder nicht. “Auch die Abgeordneten der von Goebels Politik besonders betroffenen Regionen müssen dann Flagge zeigen”, so Birgit Klaubert, kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei.
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Zwang zu Fusionen in Thüringen, 23.1.2007

Zwang zu Fusionen in Thüringen.

Mal abgesehen von der Art, wie in Thüringen Kultur zurzeit von der Landesregierung „beackert“ wird - niveauloser geht es kaum.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass es Studien gibt, die bestätigen, dass jeder Euro, der in Kultur investiert wird, mindestens 1,50 Euro wiedereinspielt (u. a. Nordrhein - Westfalen, gar Österreich erhöhten auch aufgrund dieser Erkenntnis die Investitionen in Kultur).

Man kann natürlich durch Koproduktionen, Kooperationen die Produktionskosten senken.

Aber warum will man sich in Thüringen auf innerthüringische Zusammenarbeit, auch ganz konkret auf das „Potenzial“ Weimar-Erfurt beschränken ???

Warum setzt man nicht auf eine Bereicherung für alle Theater von aussen?
D.h. Kooperationen mit Berlin, Hamburg, Stuttgart, Zürich, Braunschweig, Essen, etc.

Und zwar, indem man die unterschiedlichen Profile verstärkt, nicht miteinander vermischt.

Das wäre eine Bereicherung für Thüringen, alles andere wäre im eigenen Saft schmoren, aber dieser Eintopf wäre nicht schmackhaft, da die Vorlieben, gerade auch die von Erfurt und Weimar, diesbezüglich nun mal Generationen verschieden sind.

Zwang zu Fusionen in Thüringen, 23.1.2007, TLZ/ Leserbrief

Zwang zu Fusionen in Thüringen.

Mal abgesehen von der Art, wie in Thüringen Kultur zurzeit von der Landesregierung „beackert“ wird - niveauloser geht es kaum.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass es Studien gibt, die bestätigen, dass jeder Euro, der in Kultur investiert wird, mindestens 1,50 Euro wiedereinspielt (u. a. Nordrhein - Westfalen, gar Österreich erhöhten auch aufgrund dieser Erkenntnis die Investitionen in Kultur).

Man kann natürlich durch Koproduktionen, Kooperationen die Produktionskosten senken.

Aber warum will man sich in Thüringen auf innerthüringische Zusammenarbeit, auch ganz konkret auf das „Potenzial“ Weimar-Erfurt beschränken ???

Warum setzt man nicht auf eine Bereicherung für alle Theater von aussen?
D.h. Kooperationen mit Berlin, Hamburg, Stuttgart, Zürich, Braunschweig, Essen, etc.

Und zwar, indem man die unterschiedlichen Profile verstärkt, nicht miteinander vermischt.

Das wäre eine Bereicherung für Thüringen, alles andere wäre im eigenen Saft schmoren, aber dieser Eintopf wäre nicht schmackhaft, da die Vorlieben, gerade auch die von Erfurt und Weimar, diesbezüglich nun mal Generationen verschieden sind.

Claudia Wegner

Bewährungsprobe für CDU-Fraktion, 23.1.2007, TLZ

Erfurt. (tlz) Die CDU-Fraktion im Landtag steht in dieser Woche vor einer neuen Bewährungsprobe ihrer Geschlossenheit. Denn die Unionsabgeordneten müssen im Landtag Farbe bekennen, ob sie die Kulturabbaupolitik von Kultusminister Jens Goebel mittragen oder nicht. “Auch die Abgeordneten der von Goebels Politik besonders betroffenen Regionen müssen dann Flagge zeigen”, so Birgit Klaubert, kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei.
Denn die Linkspartei wird es nicht nur bei der verbalen Forderung nach einem Rücktritt von Goebel belassen. Die Fraktion wird vielmehr einen Entschließungsantrag einbringen, in dem das Verhalten von Goebel missbilligt wird und der Ministerpräsident aufgefordert wird, den Kultusminister zu entlassen. Da sicherlich auch die SPD-Fraktion diesem Vorstoß der PDS zustimmen wird, kommt es für die CDU-Fraktionäre zur Nagelprobe. Besonders spannend dürfte dabei die Frage sein, wie sich beispielsweise die CDU-Abgeordneten aus Weimar, Rudolstadt, Erfurt, Gotha und Eisenach verhalten. Denn für diese Städte ist die künftige Kulturfinanzierung immer noch nicht geklärt. “Die Abgeordneten werden bei einem Ja zu Goebels Politik das später auch in ihren Regionen erklären müssen”, so Klaubert.
Die CDU wies die Forderung nach einem Rücktritt Goebels zurück. Das sei reiner Populismus, so ein Sprecher. Goebel setze um, was im Kabeinett beschlossen wurde.
Hartmut Kaczmarek

Große Hoffnung auf weitere Investitionen, 23.1.2007, TLZ

Pasadena. (tlz) Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) geht davon aus, dass Avery Dennison, Weltmarktführer bei Klebefolien und -Etiketten, in Thüringen weiter investieren wird. Avery-Dennison-Vorstandschef Dean Scarborough habe angekündigt, dass bis Juni strategische Entscheidungen anstünden, die einen Fokus auf Osteuropa legten, so Althaus im Anschluss an ein Gespräch mit Scarborough in der Avery-Dennison-Zentrale im kalifornischen Pasadena. Angesichts der geografischen und ökonomischen Rahmenbedingungen im Freistaat habe sich Scarborough sehr aufgeschlossen gezeigt. Das bereits in Gotha ansässige Unternehmen könne von verbesserten Fördermöglichkeiten, der guten Infrastruktur durch die Anbindung an Straße und Schiene sowie den vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten profitieren.
Avery Dennison hat 2006 einen Umsatz von etwa sechs Milliarden Dollar erwirtschaftet. Mehr als 22 000 Beschäftigte sind an den 275 Standorten in 49 Ländern weltweit für das Unternehmen tätig, davon 1450 in Deutschland.
Aus Pasadena berichtet Elmar Otto

Wirtschaft leidet unter Kulturabbau, 23.1.2007, TLZ

Erfurt. (tlz) Thüringen braucht aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht eine funktionierende Kulturlandschaft. Das hat Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) in einem TLZ-Interview unterstrichen. “Wir können nicht als Kulturland werben und dann den Ast absägen, auf dem wir sitzen”, erklärte der Wirtschaftsminister. Allerdings räumte er auch ein, dass die Debatte mittlerweile “in die richtige Richtung” laufe.

Reinholz stellte sich als Wirtschaftsminister deutlich hinter die Kulturschaffenden in Thüringen. “Aus touristischer und wirtschaftlicher Sicht ist die Debatte schwierig”, so Reinholz, der aber auch durchaus Einsparpotenziale in der Kulturlandschaft sieht. Eins ist für ihn allerdings klar: “Wir brauchen die Kultur auch in der Fläche.”

Der Thüringer Tourismus lebe von der Verbindung zwischen Natur und Kultur. Und gerade die Städtereisen erlebten derzeit einen regelrechten Boom. Der Freistaat profitiere von der Nähe zwischen Natur und breitem kulturellem Angebot.

Wirtschaftsminister Reinholz wies aber auch auf die Kultur als “weichen Standortfaktor” bei den Gesprächen über neue Industrieansiedlungen hin. “Meistens lassen sich die harten Fakten schnell klären. Aber dann kommen schon bald die Fragen nach Schulen, Bildungsmöglichkeiten, Freizeit- und kulturellen Angeboten”, hob Reinholz den Stellenwert der Kulturlandschaft hervor.

i Mehr zum Thema lesen Sie in der Dienstag-Ausgabe der TLZ.

Von Hartmut Kaczmarek

Verwunderung über Erfurter Ultimatum, 23.1.2007, OTZ

Kultusministerium prüft neuen Theatervorschlag
Erfurt (OTZ/ulm). Ein “Ultimatum des Erfurter Oberbürgermeisters” für die Theaterverhandlungen zwischen Weimar und der Landeshauptstadt hat im Thüringer Kultusministerium Verwunderung hervorgerufen.

Erfurts Stadtoberhaupt Andreas Bausewein (SPD) hatte am Freitag in einem Brief an Minister Jens Goebel (CDU) gefordert, mit dem Land einen separaten Fördervertrag für die Oper Erfurt schließen zu dürfen, wenn nicht bis 10. Februar die Theatergespräche zwischen den zwei Städten “unter Vorlage eines diskussionswürdigen Vorschlags der Stadt Weimar” zu einem Ergebnis führten, sprich: zu einer tolerierbaren Zusammenarbeit.

Ebenso irritiert reagierte gestern Ministeriumssprecher Detlef Baer auf den Wunsch, das Land Thüringen möge ab 2009 die Erfurter Domstufenfestspiele mit 150 000 Euro unterstützen. “Das muss erst einmal alles geprüft werden”, sagte Baer.

In dem Brief samt beigefügtem Vertragsentwurf erklärt Bausewein, dass er Landeskürzungen von 675 000 Euro akzeptiere. Er werde stattdessen seinem Stadtrat empfehlen, die kommunalen Zuschüsse um 150 000 Euro zu erhöhen. Die fehlenden 525 000 Euro könnten etwa durch Lohnkürzungen via Haustarifvertrag ausgeglichen werden.

Den Vorschlag des Weimarer OB Stefan Wolf (SPD), den Opern-Austausch zwischen Erfurt und Weimar zu forcieren, wies Bausewein zurück. “Damit wird kein Geld gespart.” Außerdem kritisierte er, dass der Idee zufolge in Erfurt nur noch Kleinproduktionen entstünden.

Weimars Intendant Stephan Märki begrüßte gestern Bauseweins Initiative, für beide Theater separate Förderverträge abzuschließen. “Jede noch so kleine finanzielle Einbuße wird spätestens in 10, 15 Jahren zu einer Fusion der Häuser führen.” Er setzt auf das Wort von Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), dass das Land seine Theatersubventionen proportional steigere, wenn die kommunalen Träger ihr Budget erhöhten. In Weimar wird zurzeit über eine Anhebung der städtischen Zuschüsse um 15 Prozent (800 000 Euro) nachgedacht. Wenn das Stadtparlament dem zustimmt, müsste Märkis Ansicht nach das Land seine Förderung um ebenfalls 15 Prozent anheben, was vier Millionen Euro entspräche.

Mit Tourismus punkten, 23.1.2007, TLZ

In Thüringen Tourismus zu verkaufen, ist kein leichtes Geschäft: Die Eitelkeiten der Regionalverbände haben einer landeseinheitlichen Vermarktung lange im Wege gestanden, jetzt kommt der Kulturminister mit seinem Streichkonzert für Theater und Orchester und macht dem Fremdenverkehr das Leben schwer. Und dann ist da noch ein ganz und gar unberechenbarer Faktor: das Kapriolen schlagende Wetter - die Sommer zu heiß, der Winter bislang fast ohne Schnee.
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